Ostdeutschen Jährlichen Konferenz: 04. bis 07. 06. 2026 in Plauen: Ja! Ich will. Gott helfe mir.
Sind wir denn vorm Traualtar oder bei Martin Luther, der seine Schriften nicht widerrief, son-dern auf dem Reichstag zu Worms gesagt hat: „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen.“? „Ja“, dieses kleine Wort, öffnet einen Raum. In der heutigen Zeit erleben Menschen oft Ablehnung, Verneinung und Dunkelheit. Der Umgang untereinander ist nicht selten zerstörerisch. Wenn wir diese Zeilen gerade lesen, herrscht Krieg. Ein „Ja“ ist so ganz anders. Es öffnet sich etwas. Zukunft entsteht. Es wird sich auf etwas eingelassen. „Ja“ ist weniger ein Gefühl als vielmehr eine klare Entscheidung. Wie der Nachsatz betont, ist es eine Willensentscheidung. Der Mensch kann mit seinem „Ja“ auch scheitern. Das zeigen nicht nur die Scheidungsraten, sondern auch die Geschichte des Gottesvolkes, das den Bund mit Gott immer wieder verlassen hat. Deshalb ist der letzte Satz in unserem Motto „Gott helfe mir“ so wichtig. Wir sind auf seine Hilfe angewiesen. Der Wille ist oft da, aber die eigene Kraft und das Durchhaltevermögen sind oft schwach. Unser „Ja“ soll und kann deshalb nur ein gottgetragenes „Ja“ sein, weil wir um uns selbst wissen. Wir als Vogtland-konvent freuen uns auf die Tage der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz, auf viele Gäste und inspirierende Begegnungen.
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Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandel-ten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib! Hebr 13,3 (E) -Junispruch
Was ist die erste Reaktion, wenn wir Leid sehen? Instinktiv schauen wir oft weg. Zumindest ich schaue weg, wenn sich im Fernsehen z.B. jemand geschnitten hat.
Zu sehr fühle ich am eigenen Leib den Schnitt. Auch wenn ich das Weltgeschehen in den Nachrichten verfolge, dann nehme ich meist eine distanzierte Haltung ein. Sich nicht im ganzen Leid der Welt zu verlieren, ist für viele heute ein normaler Teil ihrer geistigen Gesundheit. Hebräer 13,3 fordert anscheinend das Gegenteil: Hinsehen! Mitfühlen! Nicht vor Leid zurückschrecken und wegblicken! Wenn jemand im Gefängnis ist, dann nicht wegschauen, wenn jemand misshandelt wird, dann bewusst mitfühlen. Dieser Vers solidarisiert sich mit den Leidenden. Und dieses Mitfühlen wird durch die eigene Verletzlichkeit begründet: Du hast doch auch einen Körper, du kannst doch nachvollziehen, wie sich Verletzte fühlen! Das Denken an die Gefangenen bindet den Leser auf doppelte Weise: Erstens wird vor Augen geführt und in Erinnerung gerufen. Zweitens soll aber nicht nur bei der ständigen Vergegenwärtigung geblieben werden, sondern es soll an die Gefangen so gedacht werden, als sei man selbst mitgefangen. Denn das Gefängnis ist eine totale Institution, es ist unmöglich zu vergessen, wenn man im Gefängnis ist. Somit bindet der Vers im doppelten Sinne unseren Fokus auf die Gefangenen. Sie dürfen nicht vergessen werden und wir sollen nicht wegschauen.
Warum diese starke Betonung der Aufmerksamkeit? Zum einen, weil wir dahin tendieren, dem Schweren aus dem Weg zu gehen, weil wir uns wie Wasser gerne den leichtesten Weg suchen. Zum anderen war es zur Zeit des Hebräerbriefes le-bensnotwendig, dass an die Gefangenen gedacht wird. Damals gab es in Gefäng-nissen keine angemessene Verpflegung. Alles Essen musste von Außen kommen.
Woher aber kommt dieser Aufruf zum Denken an die Gefangenen und das Mit-leiden mit dem Misshandelten?
Der Hebräerbrief beschreibt Jesus Christus als Hohepriester, dessen besondere Qualität es ist, dass er den Menschen verstehen und mit ihm leiden kann. Das gibt Jesus einen besonderen Zug: Gott hat, als er das Leid sah, nicht weggeschaut, sondern ist in diese Welt hineingeboren, um Leben und Leiden mit den Menschen zu teilen. Dies lässt sich auch mit Philipper 2, 5-7 zusammenfassen: „Habt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus war, der in Gestalt Gottes war und
es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein. Aber er entäußerte sich und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden“.
Das fordert mich neu heraus, mein Herz nicht zu verschließen, der Realität ins Au-ge zu schauen und mich auf die Suche zu machen, wo die Liebe Gottes mich hin-führt, indem sie mir das Herz für manche Menschen und Problemlagen öffnet und mich dann auch zur aktiven Tat ruft, selbst jetzt in der Urlaubszeit.
Euer Lokalpastor Dr. H. Belke
Euer Lokalpastor Dr. H. Belke

